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Glasdeckenindex an der Universität Freiburg

Frauen sind in Führungspositionen in weitaus geringerem Maße vertreten als Männer, sowohl in der Wissenschaft wie in Wirtschaft und Politik. Für dieses Phänomen wird häufig die Metapher der „gläsernen Decke“ (im Englischen glass ceiling) verwendet. Der Begriff macht deutlich, dass es auf dem Weg zu Spitzenpositionen unsichtbare Barrieren für Frauen gibt, wie z.B. Stereotype, unbewusste Vorurteile, der fehlende Zugang zu informellen Netzwerken etc., die weitere Karriereschritte erschweren bzw. verhindern.

Der Glasdeckenindex (auf Englisch Glass Ceiling Index, abgekürzt GCI) misst das Ausmaß der potentiellen Barrieren für Frauen auf dem Weg zu Spitzenpositionen. Unsere Berechnung des GCI lehnt sich an die „She Figures – Gender in Research and Innovation“ an, eine Publikation der Europäischen Kommission, die eine große Auswahl an Statistiken und Indikatoren zur Gleichstellung der Geschlechter in Forschung und Innovation in Europa zur Verfügung stellt. Der GCI vergleicht den Frauenanteil beim wissenschaftlichen Personal einer Fakultät mit dem Frauenanteil in den wissenschaftlichen Spitzenpositionen. Bei den Spitzenpositionen werden alle Lebenszeitprofessor*innen berücksichtigt, also alle C3-, C4- und W3-Professor*innen. Für die Gesamtzahl der Wissenschaftler*innen wird, in Anlehnung an die „She Figures“, das promovierte wissenschaftliche Personal betrachtet (Formel).

Der Wert des GCI kann zwischen 0 und unendlich rangieren. Der Wert 1 bedeutet, dass es keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern im Vorwärtskommen in der Karriere gibt. Ein Wert unter 1 bedeutet, dass im Vergleich zu den Wissenschaftler*innen insgesamt Männer bei den Professor*innen unterrepräsentiert sind, ein Wert über 1 bedeutet, dass Männer bei den Professor*innen überrepräsentiert sind. Das heißt: Je höher der Wert des GCI über 1, desto stärker ist der Glass-Ceiling-Effekt für Frauen.

 

Für die Fakultäten der Universität Freiburg ergeben sich folgende GCI:

 

Abbildung 1: Glass Ceiling Index 2018 der Fakultäten für Spitzenpositionen in der Wissenschaft (Vergleich der Frauenanteile bei Lebenszeitprofessor*innen mit denen bei promovierten Wissenschaftler*innen)

 

Wie in Abbildung 1 zu sehen ist, gibt es in der Philosophischen Fakultät und der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen keine gläserne Decke für Frauen auf dem Weg zur Professur. In der Rechtswissenschaftlichen Fakultät sind Frauen auf Professuren sogar überrepräsentiert im Vergleich zu promovierten Wissenschaftler*innen insgesamt. In der Fakultät für Mathematik und Physik ist die gläserne Decke noch relativ dünn im Vergleich zu den anderen Fakultäten. Am dicksten ist die gläserne Decke in der Theologischen Fakultät.

Der GCI der Rechtswissenschaftlichen Fakultät mag auf den ersten Blick überraschen, da der Frauenanteil bei Professor*innen hier 2018 bei 16,7 % und damit niedriger als noch 2014 (18,2 %) lag (und deutlich unter dem der Universität insgesamt (26,1 %)). Vergleichen wir im GCI die Spitzenpositionen mit der Gesamtzahl der Wissenschaftler*innen, sowohl promovierte wie (noch) nicht promovierte, dann zeigt sich jedoch, dass die gläserne Decke bei der Rechtswissenschaftlichen Fakultät genauso dick ist wie die in der Theologie. In der Rechtswissenschaftlichen Fakultät scheint die gläserne Decke tiefer zu hängen: Sehr viel weniger Frauen als Männer sind promoviert. Berechnen wir einen GCI für diese niedrigere gläserne Decke (Vergleich des wissenschaftlichen Personals insgesamt mit dem promovierten wissenschaftlichen Personal; Formel), kommt die Rechtswissenschaftliche Fakultät auf einen Wert von 2,7, was auf eine sehr dicke Glasdecke hinweist. Alle anderen Fakultäten haben Werte zwischen 0,8 (Mathematik und Physik) und 1,3 (Umwelt und Natürliche Ressourcen):

 

Abbildung 2: Glass Ceiling Index 2018 der Fakultäten für Promotionen (Vergleich der Frauenanteile bei promovierten Wissenschaftler*innen mit denen bei Wissenschaftler*innen insgesamt)